Erklärung des Begriffes Samyama

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Samyama

Samyama bedeutet „Sammlung“ und „vollkommene Integration“. Laut Patanjali ist es die Zusammenfassung von Dharana, Dhyana und Samadhi und somit die Fokussierung des Bewusstseins. Dabei verschwindet jegliches Nachdenken, Analysieren und Bewerten. Selbst bewusstes Erleben der Tatsache: „Ich meditiere.“, geht verloren.

Der achtgliedrige Yoga-Pfad nach Patanjali zerfällt in drei Teile. Den ersten Teil bilden Yama und Niyama. Es handelt sich dabei um yogische Grundprinzipien. Yamas sind fünf ethische Gebote, also gesellschaftliche Regeln. Niyamas umfassen fünf persönliche Regeln zum Umgang mit sich selbst. Asana, Pranayama und Pratyahara sind als der zweite Teil anzusehen. Asana bedeutet Sitz oder Yogahaltung. Die verschiedenen Asanas (Vorbeugen, Rückbeugen, Drehungen, Gleichgewichtsübungen, Krafthaltungen, Seitbeugen, Standhaltungen, Sitze et cetera) dienen dazu, den Körper gesund, beweglich, ausgeglichen, ausdauernd und vital zu halten. Sie bewirken die Öffnung der Energiebahnen (Nadis) im Körper. Das sorgt für bessere Durchblutung des Gewebes. Blockaden und Verspannungen lösen sich. Sie sind die optimale Vorbereitung auf alle weiteren Stufen, insbesondere die Meditation. Pranayama bildet den Übergang vom grobstofflichen zum feinstofflichen Yogaweg und umfasst spezielle Atemtechniken zur Lenkung der Lebensenergie (Prana). Pranayama dient der Vorbereitung des Bewusstseins auf Pratyahara, Dharana, und Dhyanan. Pratyahara wird als „Rückzug der Sinne“ übersetzt und bedeutet, Muskeln und Gelenke kommen zur Ruhe und die Sinneswahrnehmungen werden kultiviert. B.K.S. Iyengar bezeichnet Pratyahara als einen „Akt des Gegen-den-Strom-von-Erinnerung-und-Verstand-Schwimmens“. Alle, von außen kommende, Reize werden ausgeblendet. Das ebnet den Weg für den dritten Teil, Samyama. Samyama ist eine Kombination aus Dharana, Dhyana und Samadhi. Dharana verfolgt das Ziel, das Bewusstsein auf einen Punkt (zum Beispiel Kerzenflamme, Klang, Mantra, Mudra) zu konzentrieren, indem die Schwankungen des Geistes schrittweise gemindert werden. So ist es möglich, einen Zustand vollkommener Versenkung zu erreichen und zur Meditation, Dhyana, überzugehen. Anfangs werden körperliche Vorgänge wie zum Beispiel die Atmung aufmerksam beobachtet. Es folgt die wache Wahrnehmung des Geistes, wobei in beiden Fällen keinerlei Wertung stattfindet. Fließt dabei der Strom der Konzentration immer weiter, verschmilzt man mit dem Gegenstand der Konzentration. In diesem Moment verbindet sich die Intelligenz des Kopfes mit der des Herzens und man taucht in eine tiefe Meditation ein. Der Zustand vollkommener Glückseligkeit kann entstehen. Verstand, Intellekt, Bewusstsein, Sinnesorgane und Körper befinden sich wie im Schlaf. Jedoch sind Vernunft und mentale Fähigkeiten hellwach. Sie führen den Meditierenden zum Erkennen größerer Zusammenhänge, zu Samadhi, der Erleuchtung.

Samyama, die Essenz aus Dharana, Dhyana und Samadhi, wird in Patanjalis Yogasutra unter anderem im Teil III.5 beschrieben: „tajjayāt prajñālokaḥ“ Samyama bewirkt besondere Erkenntnisfähigkeit. Was bedeutet, dass Verborgenes, weit Entferntes oder etwas Kleines entdeckt werden kann. Vielleicht ist es auch die ureigene, innewohnende Intuition, die man aus einem tiefen Schlaf erweckt.

Katrin Burga Steiner – Yogalehrerin BDY/EYU