Erklärung der Beziehung zwischen Purusha und Prakriti

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Purusha und Prakriti

Samkhya, die dualistische Philosophie, bildet den metaphysischen und theoretischen Zwilling des Yoga. Auch der Ayurveda wurzelt im Samkhya. In der Bhagavad Gita (V/4) wird die Einheit von Samkhya und Yoga beschrieben: „Dass Samkhya und Yoga verschieden seien, behaupten die Törichten, nicht die Gelehrten. Wer nämlich eines vollkommen praktiziert, findet die Frucht beider.“ Yoga öffnet den Weg zur Verwirklichung des Samkhya, des Wissens vom Kosmos. Die Welt der Phänomene beginnt laut Samkhya, wenn zwei Pole oder Energiequellen miteinander in Verbindung treten. Diese sind Purusha, die universelle Seele und Prakriti, die Urmaterie. Purusha stellt den belebenden Aspekt der Prakriti dar. Prakriti hat drei Eigenschaften (Gunas): Sattva (Reinheit, Klarheit, Ausgeglichenheit, Schönheit, Wahrheit), Rajas (Energie, Stärke, Bewegung, Antrieb, Leidenschaft) und Tamas (Trägheit, Schwere, Behinderung der Bewegung, Widerstand). Diese drei Gunas befinden sich im Gleichgewicht, bevor Purusha und Prakriti zusammen kommen. Der Purusha ist im Gegensatz zur Prakriti eigenschaftslos. Er ist bewusster Geist, der selbstständig nicht handeln kann, da ihm die Mittel dazu fehlen. Prakriti hingegen ist unbelebt und legt daher keinen Drang zum Handeln an den Tag. Treffen nun beide aufeinander und vereinigen sich, wirkt Purusha als die belebende Kraft der Prakriti. Purusha haucht der Prakriti Leben ein. Durch die Vereinigung kommt es zur Fähigkeit, sich auszudehnen, sich zu offenbaren und sich zu erkennen. So entstehen die fünf subtilen Elemente: Klang, Berührung, Erscheinung, Geschmack und Geruch. Aus diesen wiederum bilden sich die materiellen Elemente: Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Der Intellekt und die Gedanken sorgen dafür, dass die bestehende materielle Welt durch die subtilen Elemente zur Realität wird. Werkzeuge dafür bilden die fünf Sinnesorgane, die zum Hören, Fühlen, Sehen, Schmecken und Riechen befähigen und die fünf Handlungsorgane, die es ermöglichen, sich auszudrücken, zu greifen, zu bewegen, auszuscheiden und sich fortzupflanzen. Ohne die entsprechenden subtilen Elemente hätten diese zehn Sinneskräfte keinen Sinn und würden nicht existieren. Ebenfalls stellen die materiellen Elemente die Medien für die subtilen Elemente dar. Beispielsweise könnte sich der Klang ohne Äther nicht ausbreiten und das Ohr hätte ohne Klang und Äther keine Daseinsberechtigung.

Anschaulich könnte man sich den Dualismus von Purusha und Prakriti mit einem Beispiel machen: Die Prakriti ist der Film des Lebens, in dem jeder Einzelne seine Hauptrolle spielt. Dieser Film handelt über die Welt aus Urmaterie, so wie sie von uns erkannt wird. Der Purusha hingegen ist der wertfreie Beobachter des gesamten Schauspiels. Er verleiht Bewusstheit und Empfindungsfähigkeit. Für den Akteur des Films besteht die Möglichkeit, jederzeit die Rolle des Beobachters einzunehmen, meditativ zu sein, Momente des Lebens bewusst in einer „Draufsicht“ von außen zu erleben. Das befähigt ihn hernach, mit neuen Erkenntnissen wieder aktiv an der erfolgreichen Produktion des Lebensfilmes weiterzuarbeiten.

Wie bereits oben erwähnt, kommen die drei Gunas durch das Zusammentreffen von Purusha und Prakriti aus dem Gleichgewicht. So entstehen alle Erscheinungen der Welt. Durch Handlungen (Karma) wird diese Verbindung zwischen Purusha und Prakriti ständig verändert. Karma ist das innewohnende Wesen dieser Dualität. Die Lehre des Samkhya besagt, dass der gesamte Kosmos zyklisch und die Zeit ewig ist. Eine Erlösung aus diesem Kreislauf wird nur durch das Wissen um den Unterschied der beiden Realitäten möglich. Praktische Hinweise und Techniken für den Ausstieg aus dem Kreislauf von Geburt und Tod und damit die Erlangung der Ewigkeit gibt der Yoga. Er folgt dem Weg des Samkhya.

 

Katrin Burga Steiner – Yogalehrerin BDY/EYU