Vishnu
Vishnu – Erhalter und Retter des Kosmos

Vishnu – Erhalter und Retter des Kosmos

Vishnu – Erhalter und Retter des Kosmos

Vishnu auf Garuda

Wer mehr über Gott Vishnu erfahren möchte, muss sich auf seine vielen verschiedenen Wesensarten und deren jeweilige Mythen einstellen. Denn wann immer die Welt und ihre Bewohner/innen in Gefahr gerieten, stieg der Gott in einer anderen Gestalt von seinem heiligen Berg hinab und stellte die gewohnte Ordnung wieder her. So vielfältig wie sein Charakter sind auch die Verehrungsformen und Feste, mit denen seine Anhängerschaft ihn ehrt. Wie ihr ihn erkennen könnt, welche Geschichten hinter seinen einzelnen Heldentaten stehen und was Buddha mit all dem zu tun hat, erklärt euch der folgende Text.

Wer ist Vishnu?

Wer ist Vishnu? 

Er wurde bereits in der Rigveda beschrieben und mit der Sonne identifiziert, allerdings wurde ihm zu dieser Zeit noch keine allzu wichtige Rolle zugeschrieben. Erst im Mahabharata, einem der wichtigsten Epen der hinduistischen Glaubenswelt, ist Vishnu Teil der Trimurti.

 

Während Brahma als Schöpfer des Kosmos und Shiva als deren Zerstörer gilt, wird Vishnu die Rolle des Erhalters zugeschrieben. In der hinduistischen Götterwelt gilt er als gutmütiger, rechtschaffener und ehrlicher Gott.

Gut zu Wissen

Vishnus Ehefrau(en)

 

In der heutigen Mythologie wird die Göttin Lakshmi als Vishnus Ehefrau angesehen. Sie wird mit Reichtum und Glück in Verbindung gebracht und ist bei den meisten Hindus sehr beliebt.

 

In einigen Erzählungen heißt es, dass Vishnu ursprünglich drei Ehefrauen hatte: Lakshmi, Ganga und Saraswati. Da er aber ihre ständigen Streitigkeiten untereinander eines Tages nicht mehr aushalten konnte, gab er Saraswati an Brahma und Ganga an Shiva weiter.

 

In manchen Regionen Indiens wird der Liebesgott Kama außerdem als Vishnus Sohn angesehen.

 

Seine Wohnstätte ist die goldene Stadt Vaikuntha auf dem heiligen Berg Meru. Wann immer der Kosmos durch Dämonen oder Katastrophen in Gefahr schwebt, steigt er aus seinen Höhen hinab, um die alte Ordnung wiederherzustellen.

 

Eine der beiden Hauptsekten des Hinduismus heißt Vishnuismus. Die Anhänger/innen Vishnus werden Vaishnavas oder Vishnuiten genannt und betrachten ihren Gott als höchstes Wesen und den Ursprung aller Dinge.

 

Unser YouTube-Kanal

Zu Hause üben mit ausgebildeten Yogalehrern

Vielfalt an Yoga-Videos & Meditations-Videos

Jede Woche ein neues Video


Wie kann man ihn erkennen?

Wie kann man ihn erkennen?

 

Wenn er einmal nicht in anderer Gestalt unterwegs ist, kann man Vishnu anhand mehrerer sehr individueller Symbole gut von anderen Göttern der hinduistischen Mythologie identifizieren. In vielen Darstellungen trägt Vishnu ein gelbes Untergewand, außerdem wird er entweder sitzend oder stehend dargestellt. Meistens hat er vier Arme. Hier findest du eine Auflistung seiner persönlichen Objekte und Charakteristika:

Wie kann man Vishnu erkennen

Charakteristika und Objekte Vishnus


  • Die dunkle Hautfarbe: Oft wird seine Haut leicht gräulich oder sogar blau dargestellt. Es heißt, dass Vishnus Haut sich wegen eines Gifts verfärbte, das sich im kosmischen Milchmeer befand.
  • Das Rad/Chakra: Es ist ein Symbol für den Kreislauf von Leben und Tod und kann auch als Wurfgeschoss eingesetzt werden.
  • Die Lotosblume: Sie steht für Leben und Glück und ist ein beliebtes Symbol unter den Gottheiten.
  • Garuda: Vishnus Reittier ist der Vogelmensch Garuda. Er ist König über die Vögel, seine Symbole sind Sonne und Wind. Aufgrund seiner Schnelligkeit symbolisiert Garuda auch die Weisheit der vedischen Schriften.
  • Die Schlangenköpfe: Sie bilden eine schutzspendende Krone hinter Vishnus Kopf und stehen für Unsterblichkeit.
  • Der Heldensitz/Virasana: In vielen Darstellungen wird Vishnu sitzend, im sogenannten Heldensitz, gezeigt. Diese Sitzposition zeichnet diejenigen Gottheiten aus, die sich im Kampf gegen Dämonen heldenhaft verhalten haben.


Da die hinduistischen Traditionen so vielfältig sind und je nach Region, Familie und Individuum sehr unterschiedliche Ausformungen haben können, sind die oben beschriebenen Symbole nicht in allen Darstellungen Vishnus erkennbar. Hinzu kommen die 10 Avatare Vishnus, durch die noch mehr Verwirrung gestiftet werden können.



Vishnu in der Mythologie: Die 10 Avavatare

Vishnu in der Mythologie: Die 10 Avavatare 

Vishnu unterscheidet sich durch eine ganz besondere Eigenschaft von allen anderen Göttern und Göttinnen des Hinduismus: Er kann eine andere Gestalt annehmen und in dieser auf die Erde herabsteigen, um gegen mächtige Dämonen und andere Gefahren zu kämpfen.

 

Bereits in den Puranas gibt es mehrere Listen, die bis zu 22 verschiedenen Avatare (von ,Avatara‘, was so viel wie ,Herabstiege‘ bedeutet) aufzeichnen. In der heutigen Mythologie haben sich zehn Hauptavatare durchgesetzt, die sich jeweils durch ihre Hilfsbereitschaft und ihren Mut auszeichnen, sich sowohl um Gottheiten als auch um Menschen kümmern und die Welt wieder in ihr gewohntes Gleichgewicht bringen.

Wusstet ihr, dass...

 

…diese zehn Avatare Vishnus auf Sankrit ,Dasavatara‘ genannt werden? Sie unterscheiden sich von bloßen Erscheinungsformen, wie sie z.B. auch Shiva annehmen kann. Vishnus Avatare können in tierischer, menschlicher oder sogar gemischter Form auftreten.

 

Man kann zwischen bereits erschienenen und zukünftigen Avataren unterscheiden, d.h., dass die meisten Avatare des Gottes in jedem Zeitalter des Hindu-Kalenders herabsteigen, der letzte jedoch erst noch erscheinen muss (siehe: 10. Kalki). Hier findet ihr eine Liste der beliebtesten Avatare und ihre jeweilige Heldentat:

 

  1. Matsya (Der Fischmensch): Eine Sintflut stand bevor und Manu, der erste Mensch auf Erden, wurde von Vishnu gewarnt und mit dem Bau einer Arche beauftragt, die alle Lebewesen retten sollte. Als das Wasser alles überschwemmte und die Fluten stärker wurden, beschloss Vishnu, sich in Form eines Fisches vor das riesige Boot zu spannen und es an einen sicheren Ort zu bringen. Nach erfolgreicher Mission konnte Vishnu wieder auf seinen Götterberg zurückkehren, während Manu zum Begründer eines neuen Zeitalters wurde (Buß, S. 297).

 

  1. Kurma (Der Schildkrötenmensch): Gottheiten und Dämonen führten einen lange andauernden Krieg, in dem die Dämonen immer mächtiger wurden. In ihrer Verzweiflung wandten sich die Gottheiten an Vishnu. Dieser riet ihnen, das kosmische Milchmeer zu buttern, um den darin enthaltenen Unsterblichkeitstrank Amrita nach oben zu fördern und sie unbesiegbar zu machen.

Er versprach, die Dämonen davon abzuhalten, selbst von diesem Elixir zu trinken. Mithilfe der Schlange Vasuki und des Berges Mandara quirlten die Dämonen und Gottheiten das Meer. Dabei drohte der Berg auf dem Grund zu versinken. Vishnu tauchte als Kurma auf den Meeresboden und hielt den Berg mit seinem harten Panzer nach oben. Schließlich gelang es den Göttern, Amrita an sich zu bringen und den Krieg gegen die Dämonen zu gewinnen.

 

  1. Varaha (Der Mensch mit Wildschweinkopf): Auch für diese Geschichte gibt es mehrere Versionen. In einer heißt es, das durch eine Art Apokalypse alles auf Erden überflutet wurde und somit unter Wasser stand. Als Vishnu aus seinem meditativen Schlaf erwachte, wunderte er sich sehr über den Zustand der Welt. In Gestalt eines Ebers, der den Kopf eines Menschen trug, tauchte er auf den Grund der unendlichen Wassermassen, holte die Erde wieder hervor und richtete alles wieder so her, wie es vorher gewesen war.

 

  1. Narasimha (Der Mannlöwe): Ein Dämonenkönig hatte die Welt unter seine Herrschaft gebracht und sie durch seine Askese in Brand gesetzt. Im Gegenzug für eine weniger gewaltvolle Politik gewährte ihm Gott Brahma folgenden Wunsch: Er wollte, dass er weder durch Mensch noch Tier, nicht bei Tag oder bei Nacht, nicht innerhalb oder außerhalb seines Hauses getötet werden konnte. Brahma gewährte ihm diesen Wunsch, aber die Gewaltherrschaft hielt an. Da trat Vishnu als Narasimha auf—halb Löwe, halb Mensch. Er lauerte dem Dämon in der Dämmerung auf, griff ihn auf der Türschwelle an und tötete ihn.

 

  1. Vamana (Der Zwerg): Es gab eine Zeit, in der der Dämon Bali die Macht über die Welt ergriffen und die Gottheiten aus ihrem Götterhimmel vertrieben hatte. Diese baten Vishnu um Hilfe. In Zwergengestalt ging er zu einem Feueropfer-Fest der Dämonen und bat sie gerade um so viel Platz für einen eigenen Feueraltar, wie er in drei Schritten erschreiten könne. Amüsiert gewährte Bali ihm diese Bitte und musste daraufhin schockiert zusehen, wie Vamana sich plötzlich in den Riesen Trivikrama verwandelte und mit drei Riesenschritten Erde, Himmel und Unterwelt durchschritt und Bali in letztere verbannte.

 

  1. Parashurama (Menschliche Gestalt): Ein Priester besaß eine wunscherfüllende Kuh. Der König des Landes wollte diese besitzen und ließ sie stehlen. Aus Rache tötete der Sohn des Priesters, also Vishnu in Gestalt des Parashurama, den König, Es folgten 21 weitere blutige Vergeltungsakte zwischen dem Priester- und Kriegerstand, aus denen letztlich Parashurama siegreich hervorging und die Priester wieder auf ihre Vormachtsstellung brachte.

 

  1. Rama: Er ist der Held des Epos ,Ramayana‘ und wird als junger König, oft mit seiner treuen und liebenden Ehefrau Sita an seiner Seite, dargestellt. Noch heute ist dieser Avatar Vishnus einer der beliebtesten.
Gut zu Wissen

Das Ramayana spielt auch im modernen Indien eine große Rolle. Die Helden und Heldinnen des Epos werden noch heute oft als charakterliche Vorbilder angesehen; Stoff und Themen der Geschichte werden in Volkstraditionen, Filmen und Literatur immer wieder neu bearbeitet.

 

Eines der wichtigsten Festivals ist die Ramlila, auf der der Ramayanastoff aus dem 16. Jahrhundert behandelt wird—es gibt Geschichtenerzähler und Theateraufführungen. Am Ende des Festes wird eine riesige Figur des Dämons Ravana verbrannt, um Ramas Sieg über das Böse zu feiern.

 

  1. Krishna: Der dunkle Krishna wird auch oft als eigenständiger Gott angesehen. Er wird bereits in den Upanishaden, den Puranas und im Mahabharata erwähnt.

 

  1. Buddha: Der vielleicht überraschenste Avatar Vishnus. Wahrscheinlich fand Buddha während des Aufstieg des Buddhismus in Indien seinen Eingang in die hinduistische Mythologie, um keine Anhängerschaft an die rivalisierende Religion zu verlieren. Eine weniger profane Erklärung besagt, dass Vishnu als Buddha auf die Erde kam, um die negativen Auswirkungen der Brahmanenherrschaft zu beseitigen und den Anhänger/innen die richtige innere Haltung zu zeigen, satt sich auf äußerlichen Schein und falsche Rituale zu fokussieren.

 

  1. Kalki (Der Mann auf einem weißen Pferd): Kalki ist ein zukünftiger Avatar Vishnus und deshalb noch nicht auf Erden erschienen. Eines Tages wird er auf seinem weißen Pferd erscheinen und alle Nichtgläubigen und schlecchten Menschen erschlagen. Durch seinen Eingriff werden Recht und Ordnung wieder hergestellt und ein neuer Weltzyklus


Welche Feierlichkeiten gibt es ihm zu Ehren?

Welche Feierlichkeiten gibt es ihm zu Ehren?

 

Da es Vishnu, wie ihr gelesen habt, in mehreren ,Versionen‘ gibt, sind auch die Feierlichkeiten ihm zu Ehren sehr zahlreich. Chaturmasa findet meist während der Regenzeit statt, in der Vishnu sich größtenteils ausruht und die Vorgänge auf Erden nicht mehr steuert. Deswegen sollten während dieser Zeit keine größeren Unternehmungen und Reisen unternommen oder Hochzeiten gefeiert werden.

Nach dieser viermonatigen Ruhezeit erneuert Vishnu seine Bande mit der Erde und sein Schutzversprechen ihr gegenüber. Das Fest heißt Tulsi-Vivaha, also ,Tulsi-Hochzeit‘, wobei die Erde durch die Pflanze Tulsi symbolisiert wird. Das Fest ist gleichzeitig der Beginn der Hochzeitssaison in Indien.

An Gokul-Ashtami wird dem Herabstieg Vishnus als Krishna durch viele Pujas gedacht; Ram-Navami markiert die Geburt Ramas und wird u.a. mit Rezitationen des Ramayana gefeiert.

Dieser Artikel könnte dich auch interessieren: Die Gottheiten des Hinduismus



Für alle, die jetzt mehr wissen wollen:

Hat dieser Text dir weitergeholfen oder dich sogar inspiriert? Oder hast du Anmerkungen, die du gerne teilen möchtest? Ich freue mich auf deine Meinung!



Autorin Sophie Dieck von Yoga Stilvoll

Sophie Dieck

Über Sophie Dieck als Autorin

Schon vor meinem Indologie-Studium faszinierten mich ganz unterschiedliche Bereiche der vielfältigen indischen Kultur. Während meiner Aufenthalte in Indien fielen mir oft Schnittpunkte zwischen Alltagskultur und jahrhundertealten philosophischen Traditionen auf, die sich—bewusst oder unbewusst—in den Leben der Menschen manifestiert hatten. Obwohl ich bereits seit langem Yoga in seiner ‚westlichen‘ Fitness-Form praktiziere, lernte ich erst vor ein paar Jahren eine Yogalehrerin kennen, die mir Yoga als allumfassende Philosophie nahebrachte. Durch meine Beiträge möchte ich dieses Wissen gut verständlich weitergeben und meinen Fokus auf die verschiedenen philosophischen Grundgedanken legen, um ein Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis zu schaffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code