Sanskrit
Sanskrit – Die Sprache der Götter

Sanskrit – Die Sprache der Götter

Sanskrit – Die Sprache der Götter

Sanskrit – die heilige Sprache Indiens

Wer Yoga praktiziert, kommt an den Fachbegriffen der verschiedenen Übungen und Bewegungsabläufe nicht vorbei. Wörter wie ,Asana‘, ,Surya Namaskar‘, oder die bedeutungsschwere Silbe ,OM‘ haben ihren Ursprung im Sanskrit. Oft wird diese alte Sprache Indiens mit dem Latein in Europa verglichen. Warum dieser Vergleich nicht zutrifft und was das Sanskrit so einzigartig macht, soll dir in diesem Artikel vermittelt werden.  

Veröffentlicht von: Sophie Dieck / Aktualisiert am: 16.12.2019

Inhaltsverzeichnis:
Sechs Fakten über Sanskrit
Wie entwickelte sich die Sprache?
Die Sanskritliteratur
Wird Sanskrit noch heute gesprochen?

 

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Sechs Fakten über Sanskrit

Sechs Fakten über Sanskrit

 

  1. Sanskrit gehört zur indoeuropäischen Sprachfamilie
  2. Oft wird das Sanskrit als ,Sprache der Götter bezeichnet
  3. Der Begriff ,Sanskrit‘ bedeutet ,kultiviert, verfeinert
  4. Geschrieben wird es in der Silbenschrift ,Devanagari
  5. Bedeutung und Klang gehen im Sanskrit Hand in Hand
  6. Sanskrit beeinflusste viele moderne indische Sprachen, aber auch das Englische

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Wie entwickelte sich die Sprache?

Wie entwickelte sich die Sprache?

In der hinduistischen Mythologie heißt es, …

…dass Gott Brahma das Sanskrit erschuf. Er trat mit einigen Rishis in Kontakt, die sich aus der Welt zurückgezogen hatten und nun in der Einsamkeit der Berge lebten, und gab die Sprache an sie weiter.

Als die heiligen Männer sich nach einiger Zeit wieder auf die Ebene begaben, erzählten sie ihrer Anhängerschaft von der neu geschaffenen Sprache. Im Laufe der Jahre verbreitete sich das Sanskrit auf diese Weise auf Erden.

Sanskrit kann auf eine lange Entstehungsgeschichte zurückblicken. Jahrhundertelang wurde es oral von Lehrern an ihre Schüler weitergegeben. Sanskritschüler begannen ihre Lehrzeit bereits in jungen Jahren.

Gut zu Wissen

Die Entwicklung des Sanskrit kann in zwei Perioden unterteilt werden: Die vedische und klassische Epoche.

Das vedische Sanskrit ist die Sprache der Aryas, die ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. nach Indien einwanderten. Die Veden, Upanishaden und Puranas sind in dieser Vorform verfasst.

Das klassische Sanskrit ist eine Weiterentwicklung mehrerer alter indo-arischer Dialekte.



Während der Sanskrit-Renaissance wurde die Sprache zur Überlieferungssprache. Diese Entwicklung ging mit dem Aufstieg und der wachsenden Vormachtstellung der Priesterklasse einher. Sanskrit wurde zur Sprache der Religion, Kunst und Wissenschaften – und somit zur Sprache der Elite.

Im Vergleich zu den Sprachen anderer Hochzivilisationen wurde das Sanskrit relativ früh systematisiert und grammatikalisch verfeinert. Der Gelehrte Panini verfasste zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert v. Chr. eine Grammatik des klassischen Sanskrit.

Die ,,Ashtadhyayi“ (das Wort bedeutet ,acht Kapitel‘) bildet bis heute die Grundlage dieser Sanskritform und gilt als einziges schriftliches Zeugnis für die Grammatik und Vokabeln der Sprache, da diese bis zu jenem Zeitpunkt ausschließlich mündlich weitergegeben wurde.

Paninis Werk besteht aus über 3000 kurzen Versen zum einfachen Merken der verschiedenen Regeln und ist in seiner Art einzigartig, da es als erstes zur schriftlichen Standardisierung des Sanskrit beitrug.


Wusstest Du, dass…

…in hinduistischen Ritualen häufig der Klang der Wörter eine wichtigere Rolle spielt als deren Übersetzung?

Die klanghafte Wirkung des Sanskrit war bereits bei der Entstehung und Ausformung der Sprache überaus wichtig. Neben der wortwörtlichen Bedeutung der religiösen Gebete, Rezitationen und Gesänge stellt der Klang der Worte den wichtigsten Aspekt dar.


Wenn du wissen möchtest, wie die Sprache klingt, schau dir dieses Video an:

Die Sanskritliteratur

Die Sanskritliteratur

 

Um Missverständnissen und Falschinformationen vorzubeugen: Der Gebrauch von Sanskrit war nicht nur auf die frühen hinduistischen Traditionen beschränkt, sondern war auch eine verbreitete Sprache für buddhistische und jinistische Studien.

Zu den ältesten bekannten Werken im vedischen Sanskrit zählen die Veden. Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde der Rigveda verschriftlicht. Aber auch die indischen Epen, also das Mahabharata und das Ramayana, wurden auf Sanskrit verfasst.

Hinzu kommen zahllose Abhandlungen über die verschiedenen philosophischen Schulen des Hinduismus, Gedichtwerke und Dramen. Zu den bekanntesten Dichtern und Dramatikern zählen Kalidasa, Bhasa, Bhavabhati u.a.

 

Sanskrit wird überwiegend in der Silbenschrift ,Devanagari‘ geschrieben, die auch für die modernen Sprachen Hindi, Bihari, Marathi und Nepali verwendet wird. Manchmal findet man Sanskrittexte auch in den Schriften anderer indischer Regionalsprachen, so z.B. in der Brahmi-Schrift des Bengali oder in der Sharada-Schrift des Kashmiri.


Wird Sanskrit noch heute gesprochen?

Wird Sanskrit noch heute gesprochen?

Von der indischen Regierung wird Sanskrit sowohl als klassische als auch als eine der zahlreichen offiziellen Sprachen des Landes anerkannt. Heutzutage wird die Sprache weiterhin in feierlichen, religiösen Kontexten benutzt und somit bewahrt. Sie gilt noch immer als Sprache der göttlichen Offenbarung.

 

 

Ist Sanskrit das Latein Südasiens?

 

In zahlreichen Artikeln über die Sprache wird der Vergleich mit dem Lateinischen angebracht. Wie viele Übereinstimmungen gibt es wirklich zwischen diesen beiden alten Sprachen?

 

Während Latein in Europa weiterhin an Schulen und Universitäten gelehrt wird und unumstritten die Grundlage vieler moderner Sprachen bildet, wird sie doch nicht mehr im Alltag angewendet. Oft redet man von ihr als von einer ,toten Sprache‘.

 

Sanskrit hingegen hat auch im heutigen Indien eine unverhältnismäßig wichtige Bedeutung im alltäglichen Leben vieler Menschen, nicht zuletzt, weil sie die Sprache der heiligen Texte des Hinduismus ist.

 

Auch wenn ein Großteil der Bevölkerung kein Sanskrit sprechen kann, ist die Präsenz dieser Sprache noch heute sehr hoch und trägt somit zu ihrer Lebendigkeit bei.

 

Es ist zwar eine Seltenheit, aber es gibt einige wenige Dörfer in Indien, in denen noch (oder wieder) Sanskrit gesprochen wird. Das Dort Mattur im südindischen Karnataka z.B. begann in den 1980er Jahren Schritt für Schritt damit, das Sanskrit als Umgangssprache einzuführen.

Heute wird die Sprache von einem Großteil der Einwohner in alltäglichen Situationen gesprochen oder zumindest verstanden.

Aber auch in anderen Regionen Indiens wird es verhältnismäßig oft in Zeitungen, Radioprogrammen, Filmen, in der Literatur und wissenschaftlichen Texten verwendet.




Sekundärliteratur und Quellenangaben:

Hat dieser Text dir weitergeholfen oder dich sogar inspiriert? Oder hast du Anmerkungen, die du gerne teilen möchtest? Ich freue mich auf deine Meinung!



Autorin Sophie Dieck von Yoga Stilvoll

Sophie Dieck

Über Sophie Dieck als Autorin

Schon vor meinem Indologie-Studium faszinierten mich ganz unterschiedliche Bereiche der vielfältigen indischen Kultur. Während meiner Aufenthalte in Indien fielen mir oft Schnittpunkte zwischen Alltagskultur und jahrhundertealten philosophischen Traditionen auf, die sich—bewusst oder unbewusst—in den Leben der Menschen manifestiert hatten. Obwohl ich bereits seit langem Yoga in seiner ‚westlichen‘ Fitness-Form praktiziere, lernte ich erst vor ein paar Jahren eine Yogalehrerin kennen, die mir Yoga als allumfassende Philosophie nahebrachte. Durch meine Beiträge möchte ich dieses Wissen gut verständlich weitergeben und meinen Fokus auf die verschiedenen philosophischen Grundgedanken legen, um ein Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis zu schaffen.

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