Samadhi
Welche Bedeutungen für Samadhi gibt es

Samadhi

Welche Bedeutungen für Samadhi gibt es

Welche Bedeutungen für Samadhi gibt es?

Der Begriff ,Samadhi‘ ist vielen Menschen, die sich nicht mit den Grundgedanken indischer Philosophie beschäftigen, unbekannt. Im Bereich des Yoga nimmt er allerdings eine zentrale Rolle ein und kann sogar als essentielles Element des Yogaweges bezeichnet werden. Auch wenn ihr nur wenige Kenntnisse auf diesem Gebiet habt, wird euch der folgende Text einen einfachen und verständlichen Überblick zum Thema geben.

Welche Bedeutungen für Samadhi gibt es?

Welche Bedeutungen für Samadhi gibt es?

Samadhi ist eine Art Überbewusstsein, dass u.a. auf dem achtgliedrigen Yogapfad des Patanjali erreicht werden kann. Eine der Hauptfragen zur Erlangung dieses Zustandes ist, wie man als praktizierender Yogin zu einer Einheit mit seinem Selbst, dem purusha, gelangen kann.

Die Bedeutung der Sanskrit-Wortwurzel ist ,verbinden, zusammenbringen‘ und weist auf die Einheit des Individuums mit einem höheren Bewusstsein hin.

Das Konzept des Samadhi ist besonders in buddhistischen und hinduistischen Lehren von zentraler Bedeutung, weist in beiden allerdings einige essentielle Unterschiede auf.

Veröffentlicht von:
Sophie Dieck

Aktualisiert am:
15.09.2019

Inhaltsverzeichnis

Welche Bedeutungen für Samadhi gibt es?

Samadhi im Buddhismus

Samadhi im Hinduismus

Samadhi im Buddhismus

Samadhi im Buddhismus

Im Buddhismus steht der Begriff sowohl für all jene Übungen, die zur mentalen Konzentration und den überbewussten Zuständen führen, als auch für die Zustände selbst. Samadhi ist dabei zentral für das buddhistische spirituelle Leben und ist Bestandteil des achtfachen Pfades in der buddhistischen Lehre.

Im Hinayana (,,kleiner Wagen‘‘) der buddhistischen Traditionen steht das Wort für die gesamte Praxis der Meditationsübungen, während es im Mahayana (,,großer Wagen‘‘) alle spirituellen Stadien bezeichnet, die durch die Meditationsübungen erreicht werden können. Es sollen mehr als 40 verschiedene Meditationsübungen existieren.


Samadhi im Hinduismus

Samadhi im Hinduismus

In seinen Yogasutras definiert der religiöse Gelehrte Patanjali Samadhi als ,,vollkommene Versunkenheit‘‘.

[,,Wenn der Gegenstand der Meditation allein zum Leuchten gebracht wird, geht (dem Meditierenden) das Bewusstsein seiner eigenen Identität verloren. Das ist Samadhi.‘‘ Yogasutra 3.3]

Es ist das achte Glied des achtgliedrigen Pfades im Ashtanga-Yoga (auch als Raja-Yoga bekannt) und stellt somit die höchste Stufe der Meditation dar.

Wenn Yoga das zur-Ruhe-kommen oder Stilllegen aller Gedankengänge ist, kann man Samadhi als dessen Ziel bezeichnen. Yoga wird praktiziert, um die wahre Natur des Selbst (purusha) bewusst zu erkennen.

Durch Meditation und Konzentration, zum Beispiel auf ein Objekt, soll das aufmerksame Bewusstsein idealerweise mit dem Gegenstand der Meditation verschmelzen. Durch die ununterbrochene Aufmerksamkeit kann das Bewusstsein somit gelassen und ohne ein Gefühl des Verlustes im höheren Sein aufgehen.

Raum und Zeit spielen dann keine Rolle mehr und auch das Ich-Gefühl des Praktizierenden erlischt. Dadurch hört auch das Verlangen eines Menschen auf, es ist sozusagen kein ,Wollen‘ mehr vorhanden.

Sobald man diesen Zustand erreicht hat, wird sich die Seele des Einzelnen nicht mehr mit dessen Geist identifizieren, das Ego wird ,ausgeschaltet‘. Dies führt zu der Erkenntnis, dass die Einzelseele (atman) und die Weltenseele (brahman) im Grunde genommen eins sind.

Die Verbindung zwischen Seele und Körper des Yogin wird gelöst und somit wird auch dieser vom Kreislauf der Wiedergeburten, also von der Verhaftung an das Leben, erlöst.

Gut zu Wissen

Wusstet ihr schon,…..

…dass man zwischen zwei Arten des Samadhi unterscheiden kann?

Die erste Art wird als ,Samprajnata-Samadhi‘ (oder auch ,Savikalpa Samadhi‘) bezeichnet. Dies ist der bewusste Samadhi-Zustand, in dem die Dualität zwischen der Einzelseele Atman und der Weltenseele Brahman bestehen bleibt. Die Schwingungen des geistigen Bewusstseins eines Yogin, die durch Meditationsübungen entstehen, sollen im Brahman zur Ruhe kommen, dabei aber das Bewusstsein über die eigene Existenz beibehalten.

Als ,Asamprajnata‘ oder ,Nirvikalpa-Samadhi‘ wird die zweite Form des Samadhi benannt. Hierbei handelt es sich um einen überbewussten Zustand. Das geistige Bewusstsein soll sich mit dem höchsten Selbst vereinen, um das in der Meditation Erkannte in der Erkenntnis selbst aufzulösen.

Der Unterschied zum bewussten Samadhi-Zustand ist, dass das Bewusstsein des Yogin nicht mehr zum Ich-Bewusstsein (also dessen Ausgangszustand) zurückkehrt. Dies ist dann die wahre Erleuchtung.

Um diesen Zustand zu erreichen, müssen unzählige Hindernisse, Ablenkungen und Schwierigkeiten überwunden werden. Der Weg zur vollständigen Versenkung ist beschwerlich und erfordert Willensstärke und die Anpassung der äußeren Umstände.

Entscheidend ist, wie überzeugt und standhaft ein Yogin auf seinem Yogaweg ist!

Weiterführende Literatur zum Thema Samadhi:

  • Iyangar, B.K.S.: Der Urquell des Yoga. Die Yoga-Sutras des Patanjali erschlossen für den Menschen von heute. Bern: Barth, 1995.
  • Kesarcodi-Watson, Ian: Samādhi in Patañjali’s Yoga Sūtras. In: Philosophy East and West, Bd. 32, Nr. 1 (Jan., 1982). University of Hawai’i Press, S. 77- 90.

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Autorin Sophie Dieck von Yoga Stilvoll

Sophie Dieck

Über Sophie Dieck als Autorin

Schon vor meinem Indologie-Studium faszinierten mich ganz unterschiedliche Bereiche der vielfältigen indischen Kultur. Während meiner Aufenthalte in Indien fielen mir oft Schnittpunkte zwischen Alltagskultur und jahrhundertealten philosophischen Traditionen auf, die sich—bewusst oder unbewusst—in den Leben der Menschen manifestiert hatten. Obwohl ich bereits seit langem Yoga in seiner ‚westlichen‘ Fitness-Form praktiziere, lernte ich erst vor ein paar Jahren eine Yogalehrerin kennen, die mir Yoga als allumfassende Philosophie nahebrachte. Durch meine Beiträge möchte ich dieses Wissen gut verständlich weitergeben und meinen Fokus auf die verschiedenen philosophischen Grundgedanken legen, um ein Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis zu schaffen.

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