Parvati

Parvati – Die Tochter des Berges

Parvati – Gott in Indien

Hoysaleswara Tempel – Skulptur der Göttin Parvati

Die ruhige, liebenswürdige Göttin wird auf den meisten Abbildungen an der Seite ihres Ehemanns Shiva dargestellt. Sie gilt als ideale Mutter und Ehefrau und wird deswegen auch heutzutage von vielen Menschen verehrt. Als Shakti nimmt sie außerdem eine besondere Rolle in der hinduistischen Mythologie ein. Mehr über Ursprung, Symbole und Eigenschaften der sanften Göttin erfährst du in diesem Artikel.

 

Veröffentlicht von: Sophie Dieck / Aktualisiert am: 11. Januar 2020

Inhaltsverzeichnis:
Wer ist Parvati?
Wie kann man sie erkennen?
Parvati in der Mythologie

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Wer ist Parvati?

Wer ist Parvati?

 

Ihr Name bedeutet ,,Tochter des Berges‘‘ und verweist auf ihren Vater Himavat und somit auf ihren Ursprung im Himayala. Selten wird die Göttin mit dem sanften Lächeln ohne ihren Ehemann Shiva dargestellt. Die Kinder des Götterpaares sind Ganesha und Skanda (der eigentlich nur Parvatis Halbsohn ist, da er ohne ihr Zutun aus Shivas Samen entstand).

Obwohl sie in einem sehr engen Verhältnis zu Shiva steht, verehren viele Gläubige sie auch unabhängig von ihrem Partner. Ein berühmtes Beispiel dafür ist der Meenakshi-Tempel (Meenakshi ist der lokale Name für die Göttin Parvati) in der südindischen Stadt Madurai, der zu Ehren der Göttin entstanden ist.

Parvati repräsentiert Shakti, die weibliche Energie des Kosmos. Deswegen steht sie in enger Verbindung mit der Göttin Devi. Sie ist die Personifikation von Licht und allumfassender Helligkeit.

Gut zu Wissen

Weitere Namen, unter denen die Göttin bekannt ist

Man kennt sie u.a. als Uma, Amba, Ambika, Gauri, Durga, Kali, Rajeshwari, Sati und Tripurasundari.

Jeder dieser Namen stellt eine besondere Charaktereigenschaft Parvatis in den Vordergrund

Wie kann man sie erkennen?

Wie kann man sie erkennen?

Als Shivas Shakti findet man die Göttin Parvati auf den meisten Darstellungen an der Seite ihres Ehemanns, entweder in liebevoller Umarmung, auf seinem Schoß sitzend oder neben ihm stehend.

Viele Abbildungen zeigen außerdem die gesamte Familie, also das Ehepaar Shiva-Parvati gemeinsam mit ihren Söhnen Skanda und dem elefantenköpfigen Gott Ganesha auf dem Berg Kailash, dem Geburtsort Shivas.

In diesem Artikel erfährst du mehr über Parvatis Rolle in Ganeshas Entstehung: Ganesha

Parvati ist häufig in einen roten Sari gekleidet und trägt ein gutmütiges Lächeln im Gesicht. Hier findest du eine Übersicht über ihre typischen Attribute und Symbole:


Wie kann man sie erkennen?

Attribute von Parvati

  • Die Krone: Auf ihrem Kopf trägt die Göttin eine nach oben hin immer spitzer zulaufende Krone (,Karandamukuta‘). Sie zeigt Parvatis untergeordnete Stellung im hinduistischen Götterhimmel an.
  • Die Haarpracht: Ihre Haare sind tiefschwarz, sehr lang und fallen ihr offen über den Rücken.
  • Zwei Arme: Auf Darstellungen, die sie mit Shiva zeigen, hat Parvati meistens zwei Arme. Die rechte Hand steht oft in der abhaya-Stellung, durch die Schutz und Segen ausgedrückt wird. Ihre linke Hand hält eine Lotosblume. Diese steht für die Wärme der Mutterschaft, ist aber auch ein allgemeines Symbol für Schönheit, Glück und Erneuerung.
  • Die Schmuckstücke: Parvatis gesamter Körper ist mit wertvollem Goldschmuck behangen. Neben Ohrringen und Armreifen trägt sie mehrere Halsketten, darunter oft eine lange Perlen- oder Blumenkette. Ihre schmale Hüfte ziert ein kunstvoll gestalteter Gürtel.
  • Das Reittier: Genau wie Durga steht auch Parvati ein Löwe als Reittier zur Seite. Er steht für Kraft und Schutz.

Parvati in der Mythologie

Parvati in der Mythologie

  • Parvati als Sati


Die Skanda-Purana beschreibt die Geschichte von Parvati in der Gestalt Satis: Sati verliebte sich in den eindrucksvollen, aber draufgängerischen Gott Shiva. Die beiden heirateten heimlich. Satis Vater, Daksha, entwickelte sofort eine Abneigung gegen seinen antiautoritären Schwiegersohn.

Als Daksha eine wichtige religiöse Opferzeremonie durchführen wollte, lud er das Paar bewusst nicht zu den Festlichkeiten ein. Daraufhin stellte Sati ihren Vater zur Rede und musste sich dessen Erklärung anhören, die ihr natürlich überhaupt nicht gefiel.

Verärgert und beleidigt ließ sie Daksha wissen, dass sie von nun an nicht mehr seine Tochter sein wolle. Der Einspruch ihres Vaters war vollkommen zwecklos. Sati war so erbost, dass sie beschloss, sich selbst zu verbrennen, um als Göttin Parvati wiedergeboren zu werden und Shiva erneut—und ohne Hindernisse—heiraten zu können.

Als ihr Ehemann davon hörte, schickte er seine Boten, um sie aufzuhalten. Aber es war bereits zu spät und Sati hatte sich in die Flammen geworfen.

  • Wie Parvati zu Gauri wurde


In der Mythologie heißt es, dass Parvati ursprünglich eine sehr dunkle Hautfarbe hatte, weswegen sie oft von ihrem Ehemann Shiva geneckt wurde. Eines Tages jedoch ging er mit seinen Späßen zu weit: Parvati fühlte sich sehr verletzt und beschloss, sich in die Berge zurückzuziehen und dort in strenger Askese zu leben.

Die Zeit verging und die dunkle Göttin übte sich weiterhin in schweren Übungen und Entbehrungen. Nach und nach wurde sie immer blasser, bis sie schließlich vollkommen hell geworden war. Seitdem wird sie nur noch Gauri, die Helle, genannt.

  • Ardhanarisvara – Halb Mann, halb Frau


Das Götterpaar Parvati und Shiva werden oft als eine Person dargestellt. Als Ardhanarisvara bildet die männliche und weibliche Körperhälfte der Götter eine Figur, durch die sich die zusammenhängende und sich ergänzende Natur der Geschlechter ausdrückt.

Der Sanskrit-Begriff Ardha-Narisvara bedeutet wortwörtlich ,,Herr, der zur Hälfte eine Frau ist‘‘. Während die rechte Hälfte dieser Darstellung mit den Symbolen und Verzierungen Shivas geschmückt ist, zeigt die linke Hälfte Parvati mitsamt ihrer Attribute (eine ordentliche Frisur, den roten Tilak auf der Stirn, eine wohlgeformte Brust, Seidenstoff und Fußkettchen).

Ardhanarisvara symbolisiert die Unzertrennlichkeit und gegenseitige Abhängigkeit des weiblichen und männlichen Prinzips.

Eine beliebte Erklärung für diese Figur stammt aus dem Shiva-Purana:

Der Schöpfergott Brahma befand sich gerade im Prozess, männliche Wesen zu erschaffen und trug ihnen auf, von sich aus ebenfalls neue Lebewesen entstehen zu lassen. Die Männer wollten seinem Befehl folgen und versuchten dies, blieben aber erfolglos.

Nach vielen gescheiterten Versuchen erschien Shiva in der Gestalt Ardhanarisvaras vor Brahma. Als dieser die Person sah, die zur Hälfte ein Mann und zur Hälfte eine Frau war, sah er seinen Fehler ein und begann, von nun an auch weibliche Wesen in die Welt zu setzen, um den Fortbestand der Lebewesen zu garantieren.

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Sekundärliteratur und Quellenangaben:

  • Jansen, Eva Rudy: Die Bildersprache des Hinduismus. Göttinnen und Götter, Erscheinungsformen und Bedeutungen. Haarlem/Holland: Binkey Kok Publications, 2009.
  • Das, Subhamoy. Goddess Parvati or Shakti. Learn Religions, Apr. 17, 2019, learnreligions.com/goddess-parvati-or-shakti-1770367.
  • Lal, Vinay; van Loon, Borin: Introducing Hinduism. A Graphic Guide. London: Icon Books Ltd., 2010.
  • https://www.britannica.com/topic/Ardhanarishvara
  • https://www.britannica.com/topic/Parvati

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Autorin Sophie Dieck von Yoga Stilvoll

Sophie Dieck

Über Sophie Dieck als Autorin

Schon vor meinem Indologie-Studium faszinierten mich ganz unterschiedliche Bereiche der vielfältigen indischen Kultur. Während meiner Aufenthalte in Indien fielen mir oft Schnittpunkte zwischen Alltagskultur und jahrhundertealten philosophischen Traditionen auf, die sich—bewusst oder unbewusst—in den Leben der Menschen manifestiert hatten. Obwohl ich bereits seit langem Yoga in seiner ‚westlichen‘ Fitness-Form praktiziere, lernte ich erst vor ein paar Jahren eine Yogalehrerin kennen, die mir Yoga als allumfassende Philosophie nahebrachte. Durch meine Beiträge möchte ich dieses Wissen gut verständlich weitergeben und meinen Fokus auf die verschiedenen philosophischen Grundgedanken legen, um ein Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis zu schaffen.

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