Niyamas
Die Niyamas – fünf Regeln der Selbstverbesserung

Die Niyamas – fünf Regeln der Selbstverbesserung

Die Niyamas – fünf Regeln der Selbstverbesserung

Niyamas – fünffache innere Disziplin

Vielleicht hast du dich auch schon einmal gefragt, warum viele Menschen, die Yoga praktizieren, überdurchschnittlich zufrieden mit sich und der Welt zu sein scheinen. Liegt das nur an den mitunter kompliziert aussehenden Körperübungen? Oder steckt mehr dahinter? In diesem Artikel erfährst du, was Niyama bedeutet und wie es dein Leben verbessern kann.

Die Niyamas einfach erklärt

Die Niyamas einfach erklärt

 

Die Niyamas gehören zum Kriya Yoga  und bezeichnen das zweite Glied des achtfachen Yoga-Weges im Yogasutra . ,Niyama‘ bedeutet wörtlich nur ,Regel, Prinzip‘, gewinnt aber im Kontext des Yoga eine wichtige Bedeutung und wird dort auch als ,,fünffache innere Disziplin‘‘ beschrieben.

Es gibt insgesamt fünf Niyamas. Diese stellen Regeln für das richtige Verhalten eines Yogin dar und konzentrieren sich dabei auf dessen Innenleben. Die Grundannahme hierbei ist, dass ein Mensch seinen Charakter disziplinieren kann und soll, um nach den Prinzipien des Yoga Samadhi, den Freiheitszustand, zu erlangen.

Nur derjenige, der Yama (die Regeln für ein gutes Miteinander)  und Niyama in seinem Leben anwendet, kann die restlichen sechs Glieder des Yoga-Weges nach Patanjali befolgen.

Veröffentlicht von:
Sophie Dieck

Aktualisiert am:
21.08.2019

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Das Yogasutra beschreibt die Niyamas folgendermaßen

,,Reinheit, innere Ruhe, Askese, eigenes Studium und Hingabe an Gott sind die inneren Disziplinen. (Yogasutra 2.32)‘‘



Welche Niyamas gibt es?

Welche Niyamas gibt es?

 

Im Einzelnen lassen sich die fünf Niyamas wie folgt beschreiben:

  • Sauca – Reinheit/Lauterkeit: Der Wunsch, den eigenen Körper reinzuhalten, gütig zu sein und dabei innere Zufriedenheit zu erlangen. Dies befähigt dazu, das Wesentliche zu erkennen

 

  • Samtosa – Innere Ruhe und Zufriedenheit: Der Yogin gibt sich mit dem Nötigsten zufrieden und beschränkt sich auf das Wenige, das er zum Leben benötigt. Dieser minimale Lebensstil führt zu innerer Ruhe und Konzentration.

 

  • Tapas – Askese: Hier ist Verzicht der Schlüsselbegriff. Durch das Ertragen extremer Bedingungen (z.B. Hitze oder Kälte, Hunger oder Durst) unterliegt der Yogin einer Prüfung, die ihn letztendlich über sich und seine Fähigkeiten hinauswachsen lässt. Durch ein asketisches Leben lösen sich innere Unreinheiten in Luft auf und der Körper mit seinem Sinnesvermögen kommt der Vollkommenheit ein Stückchen näher.
Welche Niyamas gibt es

Niyamas – Schriften des Yoga

  • Svadhyaya – Selbststudium: Das Lesen der klassischen Yogatexte ist wichtig, um den Yogin auf seinem Yoga-Weg zu bestärken und ihn sein Ziel nicht vergessen zu lassen. Aber auch das Hinterfragen des eigenen Handelns und der Gedanken sind wichtiger Bestandteil von Svadhyaya. Dadurch kommt ein Yogin seinem Selbst näher und findet gleichzeitig in den Schriften des Yoga die Bestätigung seiner Taten.

 

  • Ishvarapranidhana – die Hingabe an Gott: Ein Yogin sollte jede seiner Handlungen im Glauben auf Gott oder eine göttliche Macht ausführen. Diese letzte Regel des Niyama bezieht sich vor allem auf die Yogaschüler, welche sich für die theistische Yogavariante entschieden haben. Für alle anderen heißt es, sich von jeglichen Ängsten und Zweifeln zu lösen und auf eine höhere Macht zu vertrauen, die einer Person den richtigen Weg weist.



Niyama in deinem Leben

Niyama in deinem Leben

 

Sowohl Niyama und Yama können dein Bewusstsein von innerlichen und äußerlichen Verunreinigungen befreien. Die Grundannahme hierbei ist, dass das innere Gleichgewicht eines Menschen durch Gier, Neid, Wünsche und jegliche Leidenschaften verloren geht. Dadurch verliert dieser den Sinn für den richtigen Umgang mit sich selbst und seiner Umgebung.

Mit den folgenden Tipps wird es dir leichter fallen, die Niyamas in dein Leben einzubinden:

  • Äußere und innere Sauberkeit: Die eigene Körperhygiene ernst zu nehmen kann positive Auswirkungen auf deinen Seelenzustand haben. Wer seinen Körper pflegt, gewinnt ein besseres Körpergefühl und Selbstvertrauen. Auch die Menschen in der näheren Umgebung werden es dir danken.

Wichtig ist außerdem die Reinheit von innen. Achte auf deine Ernährung und führe deinem Körper keine schädlichen Stoffe zu. Höre öfter auf dein Bauchgefühl, wenn es ums Essen geht und lerne, Lebensmittel wertzuschätzen.

 

  • Zufriedenheit und Entspannung: Sich mit dem zufrieden zu geben, was man hat, und unabhängig von den äußeren Umständen positive Gedanken zu haben, kann eine Tugend sein. Auch in schwierigen Momenten den Kopf zu bewahren und rational zu reagieren kann helfen, die innere Balance zu halten und nicht in Trübsal zu versinken. Wenn du außerdem lernst, den kleinen Dingen des Lebens Beachtung zu schenken und im Moment zu leben, stellen sich Gelassenheit und Entspannung fast wie von selbst ein.
  • Verzichten lernen: Jeder Mensch hat bestimmte Laster, von denen er/sie weiß, dass sie dem Körper und vielleicht sogar der Seele schaden können. Trotzdem fällt es den meisten schwer, sie aufzugeben. Entbehrungen sind nie einfach! Aber gerade deswegen fühlt es sich umso besser an, wenn man es doch geschafft hat, auf etwas zu verzichten.

 

Woher du die Kraft zum Verzicht nehmen kannst, hängt ganz von den jeweiligen Umständen und deinen Beweggründen ab. Seien es gesundheitliche Vorteile, ein Gefallen an einen Freund, oder ein inneres Reuegefühl: Wenn du den Willen hast, etwas in deinem Leben zu verändern, kannst du viel erreichen. Sei ausdauernd, behalte dein Ziel im Auge und genieße am Ende das Gefühl, etwas Großes erreicht zu haben.

 

  • Das Selbst kennenlernen: In unserer schnelllebigen Welt ist es immer ratsam, kurz innezuhalten und sich mit den grundlegenden Fragen der eigenen Existenz zu befassen. Nur, wenn du eine gewisse innere Stabilität erreicht hast, kannst du den alltäglichen Herausforderungen gefasst begegnen.

 

Hinterfrage deine Verhaltensmuster und vielleicht sogar deine Einstellungen zu bestimmten Dingen, die dir selbstverständlich erscheinen. Schnell wirst du merken, dass du es dir unnötig schwermachst oder auf eine andere Weise zufriedener wärst. Es ist wichtig, nie seine Ziele aus den Augen zu verlieren und sich auf das Wichtige im Leben zu besinnen.

 

  • Vertrauen fassen: Nicht immer fällt es leicht, wichtige Entscheidungen allein zu treffen. Viele von uns kennen die Angst vor der ungewissen Zukunft, Sorgen um Familie und Freunde, Zweifel an sich selbst. Oft versperren uns solche Gedanken die Sicht auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben und machen so manche Angelegenheit noch komplizierter.

Manchmal ist es deswegen wichtig, loszulassen und auf den Lauf der Dinge zu vertrauen. Das heißt nicht, dass du plötzlich alle Verantwortungen abgeben oder vollkommen ahnungslos durchs Leben gehen sollst. Stattdessen kannst du versuchen, dich von negativen Gedanken zu lösen, Zuversicht zu gewinnen und mit mehr Selbstsicherheit deinen Alltag zu bewältigen.


Weiterführende Literatur über Niyama:

  • Friedrich, Elvira: Yoga-der indische Erlösungsweg. Das klassische System und seine Hintergründe. München: Eugen Diederichs Verlag, 1997.
  • Iyangar, B.K.S.: Der Urquell des Yoga. Die Yoga-Sutras des Patanjali erschlossen für den Menschen von heute. Bern: Barth, 1995.
  • Palm, Reinhard: Der Yogaleitfaden des Patanjali. Sanskrit-Deutsch. Stuttgart: Reclam, 2016.

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Autorin Sophie Dieck von Yoga Stilvoll

Sophie Dieck

Über Sophie Dieck als Autorin

Schon vor meinem Indologie-Studium faszinierten mich ganz unterschiedliche Bereiche der vielfältigen indischen Kultur. Während meiner Aufenthalte in Indien fielen mir oft Schnittpunkte zwischen Alltagskultur und jahrhundertealten philosophischen Traditionen auf, die sich—bewusst oder unbewusst—in den Leben der Menschen manifestiert hatten. Obwohl ich bereits seit langem Yoga in seiner ‚westlichen‘ Fitness-Form praktiziere, lernte ich erst vor ein paar Jahren eine Yogalehrerin kennen, die mir Yoga als allumfassende Philosophie nahebrachte. Durch meine Beiträge möchte ich dieses Wissen gut verständlich weitergeben und meinen Fokus auf die verschiedenen philosophischen Grundgedanken legen, um ein Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis zu schaffen.

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