Kali – Die dunkle Göttin

Kali – Die dunkle Göttin

Kali – sehr ungewöhnliche Göttin

Kali – sehr ungewöhnliche Göttin

Sie ist die vielleicht unkonventionellste unter den hinduistischen Göttinnen. Mit ihrem wilden Aussehen und blutrünstigen Accessoires ist die Göttin Kali auf jeden Fall unverwechselbar. Trotz ihrer ungewöhnlichen Kräfte stellt sie für ihre Anhängerschaft eine fürsorgliche und liebende Göttin dar. Über ihre Entstehung, persönlichen Symbole und Verehrung könnt ihr in diesem Artikel lesen.

Veröffentlicht von: Sophie Dieck / Aktualisiert am: 02.12.2019

Inhaltsverzeichnis:

Wer ist Kali?
Kali in der Mythologie
Aussehen und Attribute von Kali
Wie wird sie verehrt?

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Wer ist Kali?

Wer ist Kali?

 

Kali ist in vielerlei Hinsicht eine sehr ungewöhnliche Göttin, denn sie ist unverheiratet, eigenständig, oft grausam und blutdürstig, unersättlich und kriegerisch. Sie ist eine der zehn Mahavidyas, verkörpert also tantrische Shakti (weibliche Energie).

 

Ihr Name bedeutet ,,die, die schwarz ist“ oder auch ,,die, die Tod ist.“ Sie wird bereits im ,Devi Mahatmya‘, einem Sanskrit-Text aus dem 5. bis 6. Jh. n.Chr., erwähnt. Wahrscheinlich war sie ursprünglich eine Göttin der indigenen Bevölkerung aus den ländlichen oder bergigen Gegenden Indiens und fand im Laufe der Zeit ihren Eingang in die vedische Hochkultur.

 

Schon zu Beginn des Kalikults wurde sie mit Tod, Sexualität, Gewalt und, paradoxerweise, mütterlicher Liebe in Zusammenhang gebracht.

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02.12.2019

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Kali in der Mythologie

Kali in der Mythologie 

Wusstet ihr...

…wie die Göttin entstanden ist?

Zu Kalis ,Geburt‘ gibt es in der hinduistischen Mythologie verschiedene Versionen. Die erste besagt, dass sie erschaffen wurde, als die Göttin Parvati ihre dunkle Haut von sich abstreifte und daraus Kali unter ihrem Namen ,Kaushika‘ (,die Hülle‘) entstand.

 

Im zweiten Mythos heißt es, dass die zehnarmige Göttin Durga gegen den mächtigen Dämon Mahishasura und seine Armee kämpfte und im Verlauf der Schlacht immer wütender wurde, sodass ihre Wut aus ihrer Stirn hervorbrach und Kali erschien.

 

Sie stürzte sich sofort ins Gefecht und vernichtete jeden Dämon, der ihr in den Weg kam. Die Köpfe ihrer Opfer hängte sie sich in einer Kette um den Hals. In ihrem Eifer war sie allerdings nicht mehr aufzuhalten und zerstörte blindlings alles in ihrem Umfeld. Die Gottheiten verzweifelten zusehends und wussten nicht, wie sie Kali stoppen könnten.

 

Einem Einfall folgend, warf sich Gott Shiva unter ihre Füße. Als Kali realisierte, auf wem sie da stand, beendete sie ihre Kampfhandlungen und streckte ihre Zunge heraus, um Scham zu signalisieren.

Aussehen und Attribute von Kali

Aussehen und Attribute von Kali

 

Kali ist die Göttin der Zeit, denn alles entsteht aus ihr heraus und wird wieder durch sie zerstört. Sie beendet die Ignoranz und Illusionen der Menschen. Auf manchen Darstellungen wird sie mit zehn Köpfen gezeigt. Die meisten Abbildungen stellen sie mit dunkler Haut, langen, offenen Haaren und vier Armen dar. Häufig ist sie eher spärlich bekleidet.

 

Hier findet ihr eine Auflistung der fünf wichtigsten Alleinstellungsmerkmale der Göttin:

Aussehen und Attribute von Kali

Alleinstellungsmerkmale der Göttin Kali


  • Die herausgestreckte Zunge – Sie ist wahrscheinlich ihr Markenzeichen und kann ihre Scham (weil sie in ihrem Zerstörungstanz beinahe Shiva vernichtete) als auch ihre gewaltvolle Seite repräsentieren.
  • Die Schädelkette – Sie ist Zeichen ihres Zerstörungswut und Blutrünstigkeit und besteht aus den Köpfen ihrer Opfer.
  • Die Krone/Jvalakesha – Der Begriff bedeutet ,,Flammendes Haar“ und zeigt wild abstehende Haare, die Kalis Kopf wie eine Feuerkrone umringen.
  • Die Handgesten – Mit ihrer rechten Hand, der segenspendenden Geste oder varada mudra, gibt Kali Schutz. Dies betont ihrer fürsorgliche Seite. Ihre linke Hand ist manchmal in der abhaya mudra, der wunscherfüllenden Handhaltung, zu sehen.
  • Das Reittier – Wie alle Gottheiten der hinduistischen Traditionen hat auch Kali ein persönliches Reittier. Der Tiger steht für die Kraft der Vernichtung und steht somit ergänzend zu ihrer Natur.


Neben ihrer Verkörperung vom Lauf der Zeit, dem Entstehen und der Vernichtung von Leben, hat Kali eine weitere wichtige Rolle: Sie repräsentiert Shakti, die weibliche Energie, Fruchtbarkeit und Kreativität. Häufig ist sie in tantrischen Traditionen zu finden.


Wie wird sie verehrt?

Wie wird sie verehrt? 

Aufgrund ihrer eher unkonventionellen und nicht sehr friedlichen Natur gehört Kali nicht zu den beliebtesten Göttinnen der hinduistischen Götterwelt, was aber nicht heißen soll, dass sie nicht bekannt ist. Verehrt wird sie vorallem in den indischen Bundesstaaten Kashmir, Westbengalen, Assam und in Südindien.

 

Gut zu Wissen

 

Kali ist unter verschiedenen Namen bekannt. Dazu zählen  Shyama, Adya Ma, Tara Ma, Dakshina Kalika und Kaushika. Durch diese Vielzahl an Anrufungen können die verschiedenen Aspekte der Göttin hervorgehoben werden.

 

Wichtige Kali-Tempel befinden sich in Kolkata (Westbengalen) und in Assam. Diese sind natürlich nicht die einzigen in ganz Indien.

 

  • Kali Puja

 

Das wichtigste Fest zu ihren Ehren wird Kali-Puja genannt. Es findet oft zur gleichen Zeit wie das nordindische Diwali-Fest am Neumondtag statt und wird vor allem in Orissa, Westbengalen, Bihar und Assam gefeiert.

 

In diesen Gegenden wird Kali als die mächtigste Göttin angesehen, da sie yogische Fähigkeiten besitzt, über Tod und Zerstörung siegen kann und trotzdem voller Liebe und Mitgefühl für ihre Anhängerschaft ist. In den Städten Bhuvaneshwar, Guwahati und Kolkata wird die Göttin teilweise noch tantrisch verehrt.

 

Die Kali-Puja wird gefeiert, um den Schutz der Göttin vor bösen Mächten zu ersuchen, denn nur sie kann das Böse zerstören und ihren Gläubigen Frieden und Glück schenken.

 

In seiner heutigen Form war das Fest vor dem 18. Jahrhundert noch unbekannt, da es in jenem Jahrhunderts von Raja Krishnachandra of Navadvipa ins Leben gerufen und von wohlhabenden Bengalis weitergeführt und gefeiert wurde.

Auf einen Blick:

Wie wird Kali-Puja gefeiert?

  • In privaten Häusern werden kleine Schreine mit Tonfiguren der Göttin aufgestellt
  • In den Wohngegenden tauchen Pandals (mobile Tempelzelte) auf, in denen Statuen der Göttin angebetet werden können.
  • Den Darstellungen Kalis werden Opfergaben gegeben, darunter rote Hibiskusblüten, Linsen und Süßigkeiten, aber auch eher unorthodoxe und verbotene Speisen wie Fisch und Fleisch.
  • Die Gläubigen können von Abends bis zum Sonnenaufgang ihre Puja halten.]



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Für alle, die jetzt mehr wissen wollen:

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Autorin Sophie Dieck von Yoga Stilvoll

Sophie Dieck

Über Sophie Dieck als Autorin

Schon vor meinem Indologie-Studium faszinierten mich ganz unterschiedliche Bereiche der vielfältigen indischen Kultur. Während meiner Aufenthalte in Indien fielen mir oft Schnittpunkte zwischen Alltagskultur und jahrhundertealten philosophischen Traditionen auf, die sich—bewusst oder unbewusst—in den Leben der Menschen manifestiert hatten. Obwohl ich bereits seit langem Yoga in seiner ‚westlichen‘ Fitness-Form praktiziere, lernte ich erst vor ein paar Jahren eine Yogalehrerin kennen, die mir Yoga als allumfassende Philosophie nahebrachte. Durch meine Beiträge möchte ich dieses Wissen gut verständlich weitergeben und meinen Fokus auf die verschiedenen philosophischen Grundgedanken legen, um ein Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis zu schaffen.

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