Devi – Die Über-Göttin

Devi – Die Über-Göttin

Bewohner des Subkontinents als Muttergöttin verehrt

Die Göttin Devi ist alles andere als einfach zu durchschauen. Sie vereint sehr unterschiedliche Aspekte in sich und tritt in verschiedenen Erscheinungsformen auf. Sie gilt als Ehefrau und Gefährtin des Gottes Shiva und schafft es doch, unabhängig von seinem Dasein aufzutreten. Über Ursprung, Erscheinungsformen und Charakteristika dieser facettenreichen Göttin kannst du in diesem Artikel lesen.

 

Veröffentlicht von: Sophie Dieck / Aktualisiert am: 06. Januar 2020

Inhaltsverzeichnis:
Wer ist Devi?
Welche Eigenschaften hat sie?
Devi in der Mythologie
In welchen Erscheinungsformen tritt sie auf?

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Wer ist Devi?

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,Devi‘ bedeutet wortwörtlich ,Göttin. Damit könnte also jede weibliche Gottheit der hinduistischen Götterwelt bezeichnet werden. Allerdings bezeichnet der Name am häufigsten eine ganz bestimmte Göttin, nämlich die Ehefrau und Begleiterin des Gottes Shiva.

Devi oder auch Mahadevi (,Große Göttin‘), wie sie oft genannt wird, ist eine Göttin mit vielen Gestalten und Eigenschaften. Oft wird sie mit den Göttinnen Durga, Kali und Parvati in Verbindung gebracht.

Ihren Ursprung hat sie aller Wahrscheinlichkeit nach in Indiens prähistorischer Epoche, während der sie von den nicht-arischen Bewohner/innen des Subkontinents als Muttergöttin verehrt wurde. Wie es mit vielen Gottheiten der Fall war, fand auch dieser Kult im Laufe der Zeit Eingang in die vedische Hochkultur.

Sie wurde somit zu Shivas Shakti, also dessen weiblicher Energie und Kraft, ohne die der machtvolle Gott keine einzige seiner Taten vollbringen könnte. Noch heute wird Devi vor allem in den Traditionen des Tantrismus und des Shaivismus verehrt.

Welche Eigenschaften hat sie?
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Wie auch ihr Ehemann Shiva hat Devi sowohl eine wohlwollende als auch eine wilde, zerstörerische Seite. Eine Erklärung dafür liegt in ihrem Ursprung: Die Göttinnen, die von der nicht-arischen Bevölkerung Indiens vor vielen Jahrhunderten verehrt wurden, waren nicht vereinheitlicht, sondern zeichneten sich durch vielfältige, teilweise widersprüchliche Eigenschaften aus.

Erst durch die Aufnahme in die vedische Hochkultur wurde aus dieser Vielzahl weiblicher Gottheiten eine einzige, wenn auch sehr komplexe, Göttin. Ihre Eigenschaften reichen von fruchtbar und schaffend bis abschreckend und todbringend (Vgl. Buß, S. 121).


Die zwei Seiten Devis

Devi steht für das weibliche Prinzip des Kosmos. Sie wird wegen ihrer zwei sehr gegensätzlichen Aspekte gleichermaßen verehrt:

 

Zum einen ist sie gutmütig, sanft und liebevoll, zum anderen wild, gewalttätig und erschreckend.

Manchmal wird sie als weibliche Kraft und als Ursprung alles Lebens angesehen, dann wieder verbindet man mit ihr die Vernichtung von Leben.

Zu ihren wohlwollenden Charaktereigenschaften zählen Fruchtbarkeit, mütterliche Fürsorge, Treue und Gehorsam. In dieser Form wird sie als gute Ehefrau und Mutter gesehen. Oft erscheint sie dann als die Göttin Parvati.

Wenn Devis abschreckende Eigenschaften herausgestellt werden, zeigt sie sich gewaltbereit, kriegerisch, gleichzeitig aber auch schützend, da sie das Gute vor dem Bösen rettet und letzteres besiegt. In dieser Rolle wird sie häufig als Durga oder Kali dargestellt.

Devi in der Mythologie

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Erwähnung findet die Göttin bereits im Epos Mahabharata, in den Puranas und anderen wichtigen hinduistischen Schriften. In dem epischen Gedicht ,Chandipat‘ wird ihr Kampf gegen den Dämon Mahisha wie folgt beschrieben:

 

Der grausame Dämonenkönig Mahisha strebte nach der Herrschaft über den gesamten Kosmos und führte seine Armee in einen Kampf gegen die Gottheiten. Dieser dauerte 100 Jahre an und schließlich gelang es ihm, die Götter und Göttinnen aus ihrem Himmel zu vertreiben.

 

Mutlos und besiegt versammelten sich die Gottheiten umeinander. Als Brahma eine Ansprache hielt, um die Situation zu erklären und Pläne zu schmieden, wurden die um ihn stehenden Götter immer erregter: Aus Wut und Verzweiflung trat aus Shiva und Vishnus Mündern göttliches Feuer, während Yama, Indra und andere Gottheiten mächtige Energiefelder ausstießen.

 

Diese Energie formte sich gemeinsam mit dem Feueratem der Götter zu einer Masse, aus der schließlich die schreckliche Göttin Devi in ihrer Erscheinungsform Durga entstand.

Ihre Aufgabe war einzig und allein die Bekämpfung des Dämonenkönigs und somit der Sieg über seine Schreckensherrschaft.

 

Nach langem, erbittertem Kampf konnte Durga einen Sieg über Mahisha erringen und endlich die göttliche Ordnung auf Erden wiederherstellen.

 

Gut zu Wissen
Gut zu wissen:

 

Das ,Devi Mahatmya‘, Teil der Markandaya Purana aus dem 5./6. Jahrhundert n. Chr., ist der erste Text, dieser Art, der sich zentral mit der Göttin Devi befasst.

 

Obwohl die Verehrung einer oder mehrerer Muttergottheiten bereits viel früher stattfand, werden diese Göttinnen im ,Devi Mahatmya‘ zum ersten Mal als vereinte Kraft betrachtet und zeugen somit von der Aufnahme des Göttinnenkults in den Sanskrit-Kanon.

 

In welchen Erscheinungsformen tritt sie auf?

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Obwohl Devi auch als eine Art Über-Name aller weiblichen Göttinnen der hinduistischen Traditionen benutzt werden kann, wird sie vor allem mit Parvati, Kali und Durga in Verbindung gebracht.

 

 

Der widersprüchliche Charakter der Göttin wird durch verschiedene Erscheinungsformen repräsentiert:

  • als Parvati/Uma ist sie gutmütig und liebevoll und steht für Schönheit und Licht.
  • als Durga/Kali symbolisiert sie die dunkle Seite, sie ist dann kämpferisch, mutig und gewaltbereit.


Am häufigsten wird Devi heutzutage in ihrer Manifestation als Durga (und deren Form Kali) verehrt. Wenn du mehr über diese beiden Göttinnen erfahren möchtest, können folgende Artikel helfen:

Durga

Kali

 

Die vielen Namen und Gestalten Devis

Zu den anderen Namen der Göttin zählen u.a., Kanya (die Jungfräuliche), Vindhyavasini, Mahamaya (die Illusion) und Bhutanayaki.

 

Weitere Manifestationen sind Jaganmata (Mutter der Welt), Gauri (die Hellhäutige), Bhavani, Haimvati, and Parvati (Tochter des Berges).

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Sekundärliteratur und Quellenangaben:

  • Buß, Johanna: Hinduismus für Dummies. Weinheim: WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, 2019.
  • https://britannica.com/topic/Devi-Mahatmya
  • Cartwright, Mark. ,Devi’. Ancient History Encyclopedia. Last modified December 05, 2015. https://www.ancient.eu/Devi/.
  • Jansen, Eva Rudy: Die Bildersprache des Hinduismus. Göttinnen und Götter, Erscheinungsformen und Bedeutungen. Haarlem/Holland: Binkey Kok Publications, 2009.

Hat dieser Text dir weitergeholfen oder dich sogar inspiriert? Oder hast du Anmerkungen, die du gerne teilen möchtest? Ich freue mich auf deine Meinung!



Autorin Sophie Dieck von Yoga Stilvoll

Sophie Dieck

Über Sophie Dieck als Autorin

Schon vor meinem Indologie-Studium faszinierten mich ganz unterschiedliche Bereiche der vielfältigen indischen Kultur. Während meiner Aufenthalte in Indien fielen mir oft Schnittpunkte zwischen Alltagskultur und jahrhundertealten philosophischen Traditionen auf, die sich—bewusst oder unbewusst—in den Leben der Menschen manifestiert hatten. Obwohl ich bereits seit langem Yoga in seiner ‚westlichen‘ Fitness-Form praktiziere, lernte ich erst vor ein paar Jahren eine Yogalehrerin kennen, die mir Yoga als allumfassende Philosophie nahebrachte. Durch meine Beiträge möchte ich dieses Wissen gut verständlich weitergeben und meinen Fokus auf die verschiedenen philosophischen Grundgedanken legen, um ein Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis zu schaffen.

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