Brahma
Brahma der Schöpfer des Universums

Brahma: der Schöpfer des Universums

Brahma der Schöpfer des Universums

Brahma Gott im Hinduismus

 

Er hat das Universum erschaffen und sollte aus diesem Grund in der hinduistischen Kosmologie unverzichtbar sein, dennoch gibt es heutzutage nur noch wenige Hindus, die Brahma verehren. Wer sich ein Bild über die facettenreiche Götterwelt des Hinduismus machen möchte, sollte sich trotzdem mit Brahma und seiner Rolle im Schöpfungsmythos beschäftigen. Der folgende Artikel gibt euch eine Übersicht über Aussehen und Eigenschaften sowie Aufstieg und Fall des Gründergottes.

Wer ist Brahma?

Wer ist Brahma?

 

In der hinduistischen Mythologie ist Brahma der Gott, der den Kosmos erschaffen hat. Trotzdem ist seine Entwicklungsgeschichte von einigen Hoch- und Tiefpunkten geprägt. Ohne ihn würden zwar die Welt und ihre Menschen nicht existieren. Nichtsdestotrotz wurde er mittlerweile von den Göttern Vishnu und Shiva von seinem Posten als Hochgott verdrängt.

Wichtig zu Wissen

Brahma ist Teil der Trimurti, eines Dreiergespanns, das  ihn als Schöpfer, Vishnu als Erhalter und Shiva als Zerstörer der Welt zeigt. In der Mythologie des Hinduismus wird Brahma diese Rolle immer noch zugestanden, während er im Alltag vieler Hindus kaum noch relevant zu sein scheint.

Einige Indologen gehen davon aus, dass sich der Name ,Brahma‘ aus dem Begriff ,brahman‘ heraus entwickelte. Brahman ist die Bezeichnung für die allumfassende, jedoch gestalt- und eigenschaftslose Weltenseele in den philosophischen Systemen des Hinduismus. Im Laufe der Zeit entstand—wahrscheinlich bedingt durch bestimmte monistische Einflüsse—eine personifizierte Form dieses Prinzips.

Brahma selbst wird in den Veden nicht namentlich erwähnt und deswegen mit dem Gott Prajapati, wortwörtlich der ,,Herr der Geschöpfe‘‘, identifiziert, der bereits eine wichtige Rolle in den vedischen Schriften spielte.

Sein wirklicher Aufstieg beginnt in den spätvedischen Zeiten (etwa 600-500 v.Chr.), als er den Feuergott Agni als Standesgott für den Priesterstand (die sogenannten ,Brahmanen‘) ablöst. Ab dieser Zeit steht er in enger Verbindung zu den Brahmanen und ihren Aufgaben.

Auch in den buddhistischen Schriften findet er als höchster Gott des Götterhimmels seine Erwähnung, gerät allerdings im Kontext der priesterlichen Vormachtstellung wegen seiner engen Verbindung zu ihnen in harsche Kritik.

Seine Karriere dauert also nicht sehr lange an und schon bald wird er von den Göttern Vishnu und Shiva verdrängt.


Der Schöpfungsmythos

Der Schöpfungsmythos

 

Brahma ist im hinduistischen Schöpfungsmythos unersetzbar. In den Puranas wird die Geschichte zur Entstehung des Kosmos (*parallel gibt es noch andere Versionen der Schöpfungsgeschichte) beschrieben:

Brahma existierte bereits vor der Schaffung des Universums in einer körperlosen Form, durch die er die Gewässer der Erde entstehen ließ. Zu Beginn des Weltzeitalters gab es also nur den kosmischen Ozean. In diese Gewässer ließ Brahma einen Samen fallen, aus dem nach einiger Zeit ein goldenes Ei wuchs.

Dem Mythos zufolge waren in diesem Ei bereits alle potenziellen Erscheinungsformen der belebten und unbelebten Welt enthalten. Brahma setzte den Schaffungsprozess in Gang, indem er das goldene Ei aufbrach und ihm somit die Entstehung ermöglichte.

Aber Vorsicht!!!

Das goldene Ei darf nicht mit dem Brahma-Ei (ja, es ist sehr verwirrend) verwechselt werden. Der große Unterschied besteht darin, dass das Brahma-Ei den gesamten Kosmos schon in seinem späteren Aufbau enthält und eigentlich ohne Schöpfer auskommt, während das goldene Ei aus allen möglichen Lebensformen des Kosmos besteht und der eigentliche Schöpfungsakt nur von Brahma selbst durchgeführt werden kann.

Selbst die Zeitrechnung des hinduistischen Kalenders ist auf sein Leben bezogen. Demnach beträgt sein Lebenszeitraum 12.000 Jahre, die umgerechnet 43.200.000 menschliche Jahre ergeben. Eine schier unvorstellbare Zahl.

Wenn Brahma demzufolge aus dem Schlaf erwacht und seine Augen öffnet, entsteht ein neues Universum. Umgekehrt verhält es sich, wenn er seine Augen zum Schlafen schließt.



Aussehen und Eigenschaften von Brahma

Aussehen und Eigenschaften von Brahma

 

Brahma wird mit vier Armen und vier Köpfen (von denen nur drei zu sehen sind) dargestellt. In den meisten Abbildungen trägt er einen langen weißen Bart. Er steht oder sitzt entweder auf einem Lotos oder auf seinem Reittier, einer Gans. Auf einigen wenigen Bildern wird er von einem mit Gänsen-bespannten Wagen gezogen.

Die Gegenstände in seinen vier Händen und in seiner Umgebung haben häufig unterschiedliche Bedeutungen und sagen etwas über Brahmas Fähigkeiten und Eigenschaften aus. Auch seine Gesten, Kleidungsstücke, Kopfbedeckung und Schmuck haben eine tiefere Bedeutung. Hier findet ihr eine Auflistung seiner wichtigsten Merkmale:

  • Die vier Gesichter/Köpfe Sie symbolisieren die vier Veden, also die sehr wichtigen religiösen Textsammlungen des vedischen Hinduismus.
    Brahma Gott des Hinduismus

    Brahma – Aussehen und Eigenschaften

    (Zur Entstehung der vier Köpfe gibt es eine Geschichte, auf die ich später kurz eingehen werde.)

  • Die vier Arme Jeder Arm steht für eine der vier Himmelsrichtungen. Die rechte Hand wird oft in der schutzverheißenden/segenspendenden Geste, die linke Hand in der wunschgewährenden Stellung dargestellt.
  • Der Wasserkrug Er enthält Wasser aus dem heiligen Fluss Ganga (auch als Ganges bekannt). Wasser bedeutet Leben und verweist somit auf Brahmas Rolle als Schöpfer allen Lebens.
  • Der Löffel In manchen Darstellungen hält der Gott einen kleinen Löffel in der Hand. Dieser wird in Opferhandlungen verwendet, um geklärte Butter ins Feuer zu gießen. Der Löffel in Brahmas Hand zeigt, dass auch ein Gott Opfer bringen kann.
  • Das Buch Es ist ein Symbol der Veden und somit ein Zeichen der Weisheit.
  • Die Gebetsschnur Sie steht für den ewigen Kreislauf der Zeit.
  • Der Lotos Oft wird er auf einem geöffneten Lotos sitzend oder stehend dargestellt, manchmal hält er auch eine Lotosblume in der Hand. Der Lotos symbolisiert u.a. Glück und ewigwährende Erneuerung und ist deswegen oft der Thron der Gottheiten.
  • Der Kopfschmuck Die Krone auf seinem Kopf wird ,Karandamukuta‘ genannt und zeigt seine untergeordnete Stellung im Götterhimmel des Hinduismus an. Sie zeichnet sich durch ihre kleinere Form und schmaler werdende Spitze aus.
  • Die Gans Sie ist das Reittier Brahmas und steht für ,,Grenzenlosigkeit‘‘ und ,,Lebenshauch‘‘ (Jansen, S. 60). Im hinduistischen Kontext wird die Gans als ein kluges Tier angesehen.


Die Stärken und Qualitäten einer hinduistischen Gottheit drücken sich also durch verschiedene Objekte aus. Je größer die Anzahl von Gegenständen am Körper oder in der Umgebung einer Gottheit, desto größer ist auch ihre Macht und Bedeutung.



Welche Rolle spielt Brahma heute?

Welche Rolle spielt Brahma heute?

Die göttliche Karriere war für Brahma eher kurz. Bereits ab dem 7. Jahrhundert verliert er seine Stellung als höchste Gottheit. Das bedeutet u.a. den Verlust einer breiten Anhängerschaft und eine untergeordnete Stellung in der täglichen Verehrung der Hindus. Nur in den Schöpfungsmythen und als Teil der Trimurti konnte er seine Position bewahren.

Ein Tempel für Brahma:

Der größte noch bestehende Brahma-Tempel befindet sich in Pushkar, einer Kleinstadt im indischen Bundesstaat Rajasthan. Auch heute noch ist Pushkar ein wichtiges Pilgerzentrum, an dem alljährlich Feste zu Ehren Brahmas stattfinden, da er eng mit der Geschichte des Ortes verknüpft ist.

Der Legende zufolge wollte Brahma die Welt reinigen und warf aus diesem Grund eine Lotosblume auf die Erde. Die Blüte schlug dreimal auf dem Boden auf und hinterließ an diesen Stellen reines Wasser. Die drei kleinen Seen, die daraus entstanden, füllen sich bis heute jedes Jahr zur Regenzeit erneut mit Wasser und ziehen zahllose Pilger an.

Im Vishnuismus und Shivaismus wird Brahma den beiden Göttern als dienende Figur zur Seite gestellt. In den Mythen des Gottes Vishnu tritt Brahma auf einem schwebenden Lotos sitzend auf und wird von ihm beauftragt, die Welt zu erschaffen. In Shivas Umfeld erhält er die Rolle des Priestergottes. Aufgrund dieser Nebenrolle steht heutzutage in vielen Tempeln, die Vishnu oder Shiva geweiht sind, zumindest eine Statue oder Abbildung von Brahma.

Zwei mögliche Gründe, warum Brahma in der heutigen Zeit nicht mehr verehrt wird:

  • Eine Erklärung, die sich auf die Mythen bezieht, besagt, dass der Schöpfergott aufgrund eines Fluches von Shiva seine Popularität unter den Menschen einbüßen musste. Der Erzählung nach schuf sich Brahma aus Einsamkeit Shatarupa (die auch unter dem Namen Savitri bekannt ist).


Shatarupa entstand aus Brahmas Körper, kann also als sein Fleisch und Blut betrachtet         werden. Durch ihre Schönheit betört, versuchte Brahma ständig, sie zu verführen. Wohin auch immer sie ging um ihm zu entfliehen, beobachtete er sie durch jeden seiner fünf Köpfe, die ihm aufgrund seines Begehrens wuchsen.

Als es ihm schließlich doch gelang, Shatarupa zu erobern, war Shiva über dieses inzestuöse Verhältnis so erbost, dass er ihm den fünften Kopf abschlug. Ein Fluch Shivas besagte außerdem, dass Brahma in Zukunft jegliche Anhänger/innen verlieren würde.

  • Die zweite Erklärung ist vergleichsweise profan: Da Brahma seine Rolle als Schöpfer des Kosmos erfüllt hatte und danach keine weiteren Aufgaben mehr auf ihn warteten, verlor er auch seine Position als Hochgott. Die Erhaltung der Welt war nun Vishnus Pflicht und ihre Zerstörung wurde Shiva überlassen. Deswegen hörten die Gläubigen auf, ihn zu verehren.


Weiterführende Literatur und Internetquellen:

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Autorin Sophie Dieck von Yoga Stilvoll

Sophie Dieck

Über Sophie Dieck als Autorin

Schon vor meinem Indologie-Studium faszinierten mich ganz unterschiedliche Bereiche der vielfältigen indischen Kultur. Während meiner Aufenthalte in Indien fielen mir oft Schnittpunkte zwischen Alltagskultur und jahrhundertealten philosophischen Traditionen auf, die sich—bewusst oder unbewusst—in den Leben der Menschen manifestiert hatten. Obwohl ich bereits seit langem Yoga in seiner ‚westlichen‘ Fitness-Form praktiziere, lernte ich erst vor ein paar Jahren eine Yogalehrerin kennen, die mir Yoga als allumfassende Philosophie nahebrachte. Durch meine Beiträge möchte ich dieses Wissen gut verständlich weitergeben und meinen Fokus auf die verschiedenen philosophischen Grundgedanken legen, um ein Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis zu schaffen.

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