Gedanken zu den Kapiteln VXII und VX der Bhagavad Gita

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 Bhagavad Gita – Kapitel VXII

Das Kapitel VXII der Bhagavad Gita beinhaltet das Gespräch zwischen Krishna und Arjuna über die drei Arten des Glaubens. Es gibt Aussage über den Glauben, das rechte Denken und Handeln und die gesunde Ernährung unter Einbeziehung der drei Gunas. Die drei Gunas sind: Sattva (Reinheit, Licht), Rajas (Energie, Feuer, Leidenschaft) und Tamas (Trägheit, Faulheit, Dunkelheit). Dieses Kapitel ist ein Wegweiser für ein Leben in Harmonie mit dem Glauben, den Mitmenschen und der Gesundheit. In der Bhagavad Gita (XVII/3) heißt es: „…Der Mensch besteht aus Glauben. Wie sein Glaube ist, so ist er.“ Der Glaube ist es, der den Menschen am Leben erhält. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung bedeuten, den Sinn des Lebens aus den Augen zu verlieren. Jeder ist auf der Suche nach der universellen Wahrheit. Wie also ist diese zu finden? Dazu gibt Krishna einige Denkanstöße. Zu Sattva, dem Prinzip der Klarheit, des Friedens und der Weite heißt es (XVII/4): „Von Reinheit geprägte Menschen opfern den Göttern…“ Sattvische Menschen verehren die Kräfte des Lichts, der Wahrheit und des Guten. Ist der Mensch von Rajas geprägt, überwiegen die Eigenschaften der Aktivität, der Energie und Turbulenz. Seine Ziele sind Reichtum und Macht, was kurzzeitig sehr stimulierend und freudbringend ist, jedoch aufgrund von Unausgeglichenheit leicht auch ins Gegenteil umschlagen kann. Die Grundeigenschaft Tamas lässt die betreffenden Menschen den Tod oder Geister verehren. Beispielsweise huldigt der Mensch in unserer Zeit oft auch gewissen Schönheitskulten, nicht selten mit Anorexie und Bulimie einhergehend. Die Kapitel XVII/7-10 beschäftigen sich mit Vorlieben und Abneigungen für einzelne Speisen unter Einbeziehung der drei Doshas. Dieser Teil stellt eine Brücke zum Ayurveda dar. „Sattva-Menschen lieben Speisen, die ihre Lebenskräfte, Stärke und Gesundheit steigern. Solche Speisen machen glücklich und zufrieden. Saftig sind sie, frisch und wohlschmeckend.“ „Der Rajas-Mensch zieht Speisen vor, die bitter, sauer, salzig, beißend, scharf und sehr heiß sind. Sie verursachen Krankheit, Schmerz und Leid.“ „Der Tamas-Mensch hingegen bevorzugt Speisen, die abgestanden, schal, faulig, übelriechend und unrein sind. Gern isst er, was andere übriglassen.“ Die gesamte manifestierte Schöpfung besteht aus den universellen Kräften, den drei Gunas. Analog zu ihnen bilden sich auf der physischen Ebene verschiedene Kombinationen der fünf Elemente aus. Diese werden als die drei Doshas (Vata, Pitta, Kapha) bezeichnet. Bereits vor Jahrtausenden wurde die Wirkung der einzelnen Nahrungsmittel auf die Doshas beobachtet. Daraus entwickelte sich ein System, das es ermöglicht, den Körper durch spezielle Ernährung ins Gleichgewicht zu bringen, so dass Wachstum und Entwicklung gefördert werden.

Bhagavad Gita – Kapitel VX

Das Kapitel VX der Bhagavad Gita beschäftigt sich mit dem Yoga des höchsten Geistes. Speziell die Verse 13-15 werden hier näher beleuchtet. Zur Lebensenergie und Lebenskraft sagt VX/13: „…erhalte ich die Kreaturen mit meiner Kraft. Ich lasse alle Pflanzen wachsen und bin aus Soma zu Geschmack geworden.“ Hier gibt die Bhagavad Gita Aussage über die vitale Energie, mit der Gott alle Wesen am Leben erhält. Sie, die Kundalini Shakti, sitzt im Wurzel-Chakra an der Basis der Wirbelsäule. Steigt diese auf, durchdringt sie alle sieben Chakras, um sich schließlich mit Shiva zu verbinden. So wird sie zur Quelle der Erleuchtung. Soma ist ein Saft, der halluzinogen, dem Marihuana ähnlich, wirkt. Auch in dieser Pflanze schlummert das Potenzial, die Lebenskraft, Kundalini, zu wecken. Zur Verdauung äußert sich VX/14: „Ich bin zum Verdauungsfeuer geworden … verbunden mit ein- und ausströmender Lebensenergie verdaue ich die vierfache Nahrung.“ Die Verstoffwechselung funktioniert, wenn der Herr die Energie dafür spendet. So können die vier Elemente: Erde, Wasser, Luft und Feuer optimal verdaut werden. Essen in angenehmer Umgebung, in Ruhe und mit einem Gebet entfacht das Verdauungsfeuer. Sind die inneren Lebensvorgänge gesund, so ist der Mensch gesund. „In aller Herz bin ich (Krishna = Avatar des Erhalters Vishnu) eingegangen.“ heißt es in XV/15. Die allumfassende Gottheit sitzt im Herzen eines jeden einzelnen. Krisna ist damit sowohl der göttliche Funke in unserm Herzen, Atman, als auch die allumfassende Gottheit, Brahman. Damit wird eine Verbindung zur Trinitätslehre des Christentums hergestellt. Brahman (Schöpfer), Vishnu (Erhalter) und Shiva (Zerstörer) bilden für weltoffene Christen eine Parallele zur Triade von Vater, Sohn und heiligen Geist. Johannes 10,30 sagt: „Nicht nur ich (Jesus = Inkarnation Christi) und der Vater sind eins, sondern gleichsam wohnt der Vater als göttlicher Funke in uns allen.“ Das Herz ist das Zentrum der Persönlichkeit. Vielleicht steht hinter dieser Aussage die Bedeutung, dass Gott, wenn er im Herzen eines Menschen wohnt, auch von dessen Beschränktheit im Sinne von Denken, Fühlen, Handeln, so wie es eben nur ihm möglich ist, begrenzt wird. So, wie sich der Mensch entwickelt und seine Fähigkeiten, sein Wissen, seine Liebe, sein Selbst erweitert, vergrößert sich auch die göttliche Energie in ihm und ermöglicht es ihm, umfassende Zusammenhänge erahnen zu können.

 

Katrin Burga Steiner – Yogalehrerin BDY/EYU